Das Öl des 21. Jahrhunderts

Club of Rome

 

Bericht von Marco Flammang

 
 

 

Warnungen hat es immer gegeben. Als vor genau dreißig Jahren der Club of Rome in seiner ersten Veröffentlichung „Grenzen des Wachstums“ anhand von Studien und Zivilisationsmodellen voraussagte, das Bevölkerungswachstum würde seine Ressourcen übersteigen, betraf das vor allem die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts. Dass die Berechnungen des damaligen Jungwissenschaftlers Dennis Meadows sich nicht vollends bewahrheitet haben, ist dem schnellen technischen Fortschritt zu verdanken, der wiederum seinerseits Folgeprobleme geschaffen hat. In Meadows 1991 erschienener Neuberechnung kamen er und sein Team von 1972 mit wesentlich ausgereifteren Simulationscomputern zu einem ähnlich verheerenden Ergebnis, mit dem Unterschied, dass sich die Möglichkeiten dem Bevölkerungs-/Ressourcengefälle zu begegnen, noch verringert hatten. Ausgerechnet der fundamentale Rohstoff, der den Großteil des Menschen selbst, als auch seines blauen Planeten ausmacht, ist nun noch weiter in den Mittelpunkt der Problematik gerückt: Das Wasser ist knapp geworden.

Die Präzision der simulierten Zukunft

Angesichts der prekären Lage unterscheidet man längst zwischen Trinkwasser und landwirtschaftlich nutzbarem Wasser. Von beidem bleibt jedoch global nicht viel übrig, weil 95 Prozent des Wassers salzig und 70 P rozent des Rests zu Dauereis gefroren sind. Derzeit hat ein Viertel der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, im Jahr 2025 wird es jeder zweite sein.

Täglich sterben zehn- bis zwanzigtausend Kinder an Krankheiten, die durch unsauberes Wasser verursacht wurden. Als Folge solcher Lebensgrundlagen, Missernten und Hungersnöte verlassen die Armen in den betroffenen Regionen die ländlichen Gebiete und strömen in die Slums der Metropolen. Die Anzahl der Megastädte, jener urbanen Räume in denen mehr als zehn Millionen Menschen leben, soll im nächsten Jahrzehnt auf 28 ansteigen.

Das Dominosystem der untergehenden Zivilisationen

Je sichtbarer die Folgen des Mangels werden, desto mehr gleichen die Vorraussagen apokalyptischen Prophezeiungen. Erwiesen ist, dass die Mayas, Römer und Babylonier mit zunehmender Überbevölkerung den ökologischen Veränderungen nicht mehr gewachsen waren. Nach Ansicht von Wissenschaftlern standen diese stets am Anfang einer raschen Ereigniskette, die über Völkerwanderungen oder Landflucht zu Krieg und Niedergang führte. Diese Abfolge hat sich über zwölftausend Jahre bestätigt.
Die technologische Entwicklung und die häufige Verzahnung mit ideologischen Territorialansprüchen haben eine globale Generallösung unmöglich gemacht. Naturgemäß sind Trockenregionen wie der Nahe Osten oder das Nildelta die Mütter der kriegerischen Auseinandersetzungen, deren Ursache auch die Verteilung des wenigen Wassers ist. Im Mittelpunkt steht aber nach wie vor der Umgang mit dem wenigen vorhandenen Wasser. Angetrieben vom Streit über Nutzungsrechte hinkt der Zugriff den theoretischen Möglichkeiten einer effizienten Nutzung weit hinterher. Im Spanien des 15. Jahrhunderts entschied das Wassertribunal über die Verteilung des Wassers in den Dürregebieten. Eine Variante dessen ist die Privatisierung des Weltwassermarktes. Diese ist jedoch äußerst umstritten.

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